Aus dem Leben eines Taugenichts: Gedichtanalyse Seite 13 Wohin ich geh und schaue?
Aus dem Leben eines Taugenichts:
Gedichtanalyse Seite 13 Wohin ich geh und schaue?
Das zu analysierende Gedicht ist ein Lied aus dem Buch “Aus dem Lebens eines Taugenichts” von Joseph von Eichendorff. Die Hauptperson der Geschichte, welche nur als “Taugenichts” bekannt ist, singt das Lied nach einer Aufforderung einer Kammerjungfer.
Das Gedicht besteht aus vier Strophen mit jeweils fünf Versen. Das Reimschema ist “abaab“, somit wechseln sich umarmender und Paarreim ab.
Die allgemeine Stimmung des Gedichts ist sehr abfallend. Die ersten beiden Strophen sind noch überwiegend positiv gehalten wohingegen die letzten zwei sehr traurig wirken.
Die erste Strophe ist eng an das harmonische Naturbild des Taugenichts geknüpft. Nomen wie “Feld”, “Wald” und “Tal” in der zweiten Strophen verdeutlichen dies und heben aufgrund ihrer leichten Verständlichkeit den Volksliedhaften Charakter des Liedes hervor. Das Zeitadverb “Wohin” und die Ortsbeschreibung in der dritten Strophe “Vom Berg hinab in die Aue?” zeigen einerseits die Wanderfreudigkeit des Taugenichts und andererseits, dass er sehr verliebt ist und diese Liebe auch nicht vergessen kann. Der Ausdruck “schöne, hohe Fraue” ist als eine Anspielung auf seine geliebte Aurelie zu sehen. Diese wird von dem Ich- Erzähler Taugenichts im Buch an fast alle Stellen anonym als “die liebe schöne Frau” bezeichnet. Das Adjektiv “hohe” verdeutlicht die vermeintlichen Klassenunterschiede zwischen dem Taugenichts, welcher als Gärtner im Schloss Angestellt ist und der scheinbar adeligen Schönheit. Die erste Strophe des Liedes taucht bereits an einer Stelle zuvor (Seite 9) auf. Dort ist das Adjektiv “hohe” durch das Adjektiv “gnädige” ersetzt. Dies zeigt, dass dem Taugenichts bewusst geworden ist, dass Aurelie für ihn fast unerreichbar scheint, wohingegen am Anfang er noch größere Hoffnungen in sich trägt Aurelie für sich zu gewinnen. Der letzte Vers mit der Hyperbel “tausendmal” und der direkten Anrede “Dich” zeigt wie wichtig dem Taugenichts der Kontakt zu Aurelie ist. Das “Grüßen” (V.5) ist die einzige Kommunikation zwischen den Beiden. Das Lied selber dient als Gruß, weil er es immer singt wenn er sie sieht. (S. 9 : “und da geschah es denn oft, dass die schöne Frau mit der Gitarre oder einem Buche wirklich in der Ferne durch den Garten zog?.”)
In der zweiten Strophe singt der Taugenichts davon, wie er durch Blumensträuße versucht ebenfalls den Kontakt zu seiner “lieben schönen Frau” zu pflegen. Als Hauptmotiv wird wie in der ersten Strophe auch die Harmonie der Natur genutzt. Der “Garten” mit seinen “Blumen” kann jedoch nicht völlig mit dem Naturbild der ersten Strophe verglichen werden, da es sich bei einem Garten um eine von Menschen “gepflegte” und nicht freie Natur handelt. Dies zeigt, dass der Taugenichts bereit ist Aurelie aktiv seine Liebe zu zeigen, diese auch zu pflegen und sie nicht nur als eine Tatsache oder als ein zugeflogenes Gefühl annimmt. Die Anapher “Viel” und die Angabe “tausend “unterstreichen seine Mühen. Die Metapher “Gedanken bind ich.” verdeutlicht, dass die Blumensträuße nicht nur als materielles Geschenk gedacht sind, sondern auch als eine Verarbeitung der eigenen Gefühle des Taugenichts gesehen werden können. Der letzte Vers “Und Grüße mit darein”, unterstreicht wie auch in der ersten Strophe das Verb “Grüß” die Wichtigkeit der Kommunikation insbesondere des Kontakts zu Aurelie. Allgemein kann die Strophe auch als eine Anspielung auf den weiteren Handlungsverlauf gesehen werden. Im darauf folgenden Kapitel besitzt der Taugenichts aufgrund seiner Beförderung zum Zolleinnehmer einen eigenen Garten und bindet der “schönen Frau” jeden Abend einen Strauss. (“Da band ich denn jeden Abend einen Strauss von den schönsten Blumen?”)
Die dritte Strophe ist ein Stimmungsumschwung, die zuvor noch positiv und hoffnungsvoll klingende Stimmung ändert sich nun. Der erste Vers ist eine Verknüpfung zur zweiten Strophe, da er wieder auf die Blumen anspielt. “Ihr darf ich keinen reichen.” Das Verb “darf” zeigt, dass äußere Einflüsse die Liebe nicht zulassen. Der Ausdruck “zu hoch” verdeutlicht die scheinbaren Klassenunterschiede zwischen dem Taugenichts und Aurelie. Das Verb “verbleichen” im dritten Vers ist eine Ersetzung des Verbs “verblühen”. Der Vers unterstreicht die Hoffnungslosigkeit und zeigt, dass der Kontakt zu Aurelie nach Ansichten des Taugenichts vergehen wird. Das einzige was dem Taugenichts bleibt ist die unerwiderte Liebe die er für sie empfindet. Dies kommt vor allem in den letzten zwei Versen zum Ausdruck. Durch die Personifikation der Liebe und der Zeitangabe “ewig” wird der Schmerz den der Taugenichts empfindet dargestellt.
Die vierte und letzte Strophe des Gedichts ist die negativste. Das Verb “schein” und der Ausdruck “froher Dinge” zeigt, dass der Taugenichts sich selber so einschätzt, dass er von außen fröhlich auf die Menschen wirkt, aber innerlich traurig ist. Dieser Vers kann als eine Anspielung auf eine vorangegangene Stelle gesehen werden. Als die Herrschaften des Schlosses den Taugenichts zum singen auffordern, merken sie nicht, dass er nicht in der Stimmung dazu ist. Die Metapher “Herz zerspringe” hat die gleiche Funktion wie die Metapher in der dritten Strophe. Sie soll die Leiden des Taugenichts verdeutlichen. Jedoch kommt es an dieser Stelle zu einer Steigerung durch die Verwendung der Wörter “Grab” und “graben”. Die Metapher vom “Grab graben” hebt hervor, dass der Taugenichts seine Hoffnungen aufgegeben hat und sich selber aufgibt. Bereits vor der Bootstour, als er die Herrschaften beim Feiern beobachtet und ihm deutlicht wird wie klein und alleine er ist beschreibt er seine Gefühle mit dem Satz: “Mir war zum Sterben bange”.
In dem Gedicht wird die Sehnsucht nach Liebe vom Taugenichts deutlich. Während und vor allem nach der Bootstour bemerkt er wie unerreichbar Aurelie ist und ihm wird vor allem wegen der Verspottung durch die Kammerjungfer vor Augen geführt, dass er nach Auffassung der Herrschaften nur ein kleiner Gärtner ist. “es fiel mir jetzt auf einmal alles recht ein, wie Sie so sch?n ist und ich so arm bin und verspottet und verlassen von der Welt.” Wie sehr ihn die scheinbar unerreichbare Liebe kränkt, wird auch im weiterfolgenden Text deutlich. Der Taugenichts erzählt anschließend, dass ihm schon während er das Lied sang, die Tr?nen in den Augen standen. Nachdem die Herrschaften das Boot verlassen hatten und ihn nicht mehr sehen konnte erzählt er “ich warf mich in das Gras hin und weinte bitterlich.” Die Handlung zeigt, welche Gefühle, dass Lied bei ihm ausgelöst haben. Der Inhalt des Liedes ist Realität geworden. Diese Tatsache bricht ihm das Herz.